Bartgeier sind wieder in den Alpen angesiedelt

Wer möchte ihn nicht gern am Himmel kreisen sehen, den größten Greifvogel Europas…

Im Nationalpark Hohe Tauern wurden wieder zwei junge Bartgeier in die Freiheit entlassen. Die Wiederansiedlung des Bartgeiers ist eines der erfolgreichsten Artenschutzprojekte im
Nationalpark Hohe Tauern und ein wichtiger Beitrag für die Vielfalt der Tierwelt in den Alpen.

Beide Junggeier stammen aus Andalusien in Spanien. Sie befinden sich nun in freier Wildbahn und können in ihrem Horst von Besuchern des Nationalparks täglich beobachtet werden. Bevor jedoch die beiden als Nestlinge in ihren Horst kamen, wurden Flügel- und Schwanzfedern an der Unterseite gebleicht, um sie bis zur ersten Vollmauser nach drei Jahren leicht zu erkennen.

Am Fuß des Freilassungsplatzes ist ein betreuter Beobachtungsstand eingerichtet und im Sommer werden regelmäßig geführte Wanderungen vom Schareck ins Fleißtal angeboten. So kann man das Heranwachsen der beiden Jungvögel, die ersten Flugversuche bis hin zum endgültigen Verlassen des Horstes miterleben. Telefonische Anmeldungen im Nationalpark unter +43 4784 701.

Früher verhasst und beinahe ausgerottet

Der Bartgeier war einst in fast allen Gebirgen Südeuropas und in den Alpen verbreitet. Wohl kaum ein Greifvogel beeindruckte die Menschen so nachhaltig, wie zahlreiche Fabeln und Legenden zeigen. Der friedliche Bartgeier wurde als blutrünstige Bestie dargestellt und ihm wurde zu Unrecht auch das Töten von Gämsen und der Raub von Lämmern zugeschrieben.

Die Bezahlung von Fang- und Schussgeldern führte dazu, dass die Tiere auf jede nur mögliche Art und Weise verfolgt wurden. In den Alpen wurde der Bartgeier im Verlaufe des 19. Jahrhunderts ausgerottet.

Heute erfolgreich wieder angesiedelt

2001 erfolgte in Heiligenblut die erste Bartgeierbrut in Österreich, leider ohne Erfolg. Ein weiteres Paar brütete seit 2003 zuerst erfolglos in Gastein, seit 2008 in Rauris.  Am 17. Juli 2010 wurde mit „Kruml“ der erste im Freiland geborene Bartgeier in Österreich flügge.

Einen weiteren Bruterfolg gab es 2011, ebenfalls in Rauris. Seit 2010 brütet ein zusätzliches Paar in Kärnten. Nach zwei ersten erfolglosen Brutversuchen sitzt heuer ein inzwischen 3 Monate alter Jungvogel in seinem Horst. Der erste Kärntner Junggeier seit 1880 wird Ende Juli zu seinem Jungfernflug starten.

Um den weiteren Lebensweg der freigelassenen Bartgeier verfolgen zu können, wurde ein begleitendes wissenschaftliches Monitoring installiert. Dazu wurde im ganzen Alpenraum ein Netz freiwilliger Beobachter aufgebaut. Nur Dank der Mitarbeit der lokalen Bevölkerung, von Nationalpark-Mitarbeitern, Jägern, Ornithologen, Bauern und Wanderern können so die Bartgeier weiter kontrolliert werden.

Bartgeiermeldungen bitte an: beobachtung@gmx.net oder bartgeier@gmx.at oder telefonisch unter
+43 664 8203055 und +43 664 1417429.

Mehr Informationen zu diesem Projekt: http://www.hohetauern.at/de/bartgeier-online.html